Die sind doch nich blöd!
Scene 29


Minister Mielke komt erachter dat de verkiezingsuitslagen, ondanks zijn uitdrukkelijke verbod, op verzoek van hogerhand zijn vervalst.

INNEN. MFS VORZIMMER ZUM BÜRO MIELKE - ABEND

Im Vorzimmer zu Mielkes Büro herrscht Gedränge. Mitarbeiter und Sekretärinnen laufen mit Lageberichten in der Hand hin und her oder telefonieren. Erich Mielke sitzt mit Rudi Mittig und Gerhard Neiber an einem Tisch zur Besprechung.

GENERALOBERST MITTIG (FORTLAUFEND)

Einem Teil der Ausreisewilligen wurde versprochen, dass sie ausreisen dürfen, wenn sie bis zur Wahl still bleiben. Ein anderer Teil wurde noch vor dem Wahltag umgesiedelt und die dritte Gruppe haben wir mit einem kleinen Ansporn auf den richtigen Kurs gebracht.

UT: MINISTERIUM FÜR STAATSSICHERHEIT, BERLIN, 7. MAI 1989

Generalmajor Carlsohn kommt dazu. Mielke wirft einen Blick auf ihn und nickt. Carlsohn hat einen Bericht in der Hand.

GENERALMAJOR CARLSOHN

Ich habs schwarz auf weiß, Genosse Minister. Am Beispiel des Bezirks Halle. Von den 9.668 angekündigten Wahlverweigerungen wurden 4.530 zurückgezogen.

MINISTER MIELKE

Ausjezeichnete Arbeit! Ihr habt mich verstanden, Jenossen. Diese zänkischen Topfgucker können jetzt zählen, wat se wollen! So muss et laufen, Jenossen!

Er steht auf und geht. Seine Stellvertreter springen auf.

GENERALLEUTNANT NEIBER

(murmelt)

In den Wahllokalen werden sie ohnehin nichts finden!

Etwas in diesen Worten hat Mielke getriggert. Auf der Türschwelle seines Büros bleibt er stehen und dreht sich um.

MINISTER MIELKE

Wat sachst du?

GENERALLEUTNANT NEIBER

(nervös)

Na, in den Wahllokalen wird es keine Divergenzen geben. Da zählt man ja richtig aus.

MINISTER MIELKE

(lauernd)

Und wo zählt man nicht richtig aus?

Gefährliche Stille. Die Generäle stehen stramm.

GENERALLEUTNANT NEIBER

Nun ja. In den Kreiswahlleitungen und den Wahlleitungen der Stadtbezirke sind die Zettel mit dem gewünschten Ergebnis zumindest schon mal vorbereitet.

Minister Mielke erblasst vor Schreck.

MINISTER MIELKE

Versteh ick jetzt nich. Ick hab doch klar gesacht, keine Manipulationen? Det ham wa doch jar nich nötig. Wen störts denn, wenn da dementsprechend nur 95% steht? Dann haben die Leute ihren Willen und denn herrscht Ruhe im Land.

GENERALLEUTNANT NEIBER

(druckst herum)

Tja, das... ich hab das auch grad erst erfahren... Anweisung aus dem Großen Haus: Die Wahlergebnisse dürfen nicht schlechter sein als beim letzten Mal.

Gerhard Neiber deutet mit dem Finger nach oben. Mielke versteht den Wink und setzt sich unverzüglich in Bewegung.

MINISTER MIELKE

Mist. Die machen wieder einen Blödsinn und an uns bleibts dann hängen. Carlsohn, hol mir mal den Vorsitzenden der Wahlkommission an die Strippe.

GENERALMAJOR CARLSOHN

Jawohl, Genosse Minister!

Er nimmt gleich den Hörer vom nächsten Telefon ab.

MINISTER MIELKE

Mensch, der Gegner hat doch seine Leute beim Auszählen der Stimmzettel. Die sind doch nich blöd. Denn ham wa wieder so ne scheiß Kampagne am Hals.

GENERALMAJOR CARLSOHN

Genosse Krenz ist schon im Studio, um die Wahlergebnisse zu verlesen.

Er schirmt den Hörer mit der Hand ab. Mielke schaut auf seine Uhr, dann schlägt er wütend mit der Faust auf den Tisch.

MINISTER MIELKE

(schreit)

Verdammt noch mal! Der sollte doch erst mit mir reden, der Trottel! Dieser Pionierleiter!

Off-Ton aus der folgenden Szene.

EGON KRENZ (OFF)

Liebe Bürgerinnen und Bürger der Deutschen Demokratischen Republik. Liebe Freunde und Genossen.


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Kids of Courage

Ergreifend, mit welch einfachen Mitteln die Macher hier Mitmenschlichkeit und Güte in den Mittelpunkt stellen.

Oliver Käver

(Der Spiegel)

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